Zum Hintergrund dieses Blogs

Da ich schon so oft gefragt wurde, was es mit dem Blog hier genau auf sich hat, hier noch ein paar Worte zum Hintergrund:

Schluss mit dem Praktikums-Marathon

Eigentlich hätte ich im Oktober ein redaktionelles Praktikum bei Report Mainz gehabt, mein gefühlt zehntausendstes Praktikum. Im stillen Einverständnis mit mir selbst hätte es auch das letzte in meinem Studium werden sollen.
Wer ernsthaft das Berufsziel Journalist/in verfolgt, der sollte eben auch schon während des Studiums praktische Erfahrungen in dem Bereich sammeln. Denn Journalismus ist ein Handwerk, das man meiner Meinung nicht im Hörsaal lernen kann. Das ist auch ein Grund, weshalb ich nicht Journalistik studiert habe. Bei allem Sinn von praktischen Erfahrungen, gibt es da nur zwei Haken: Praktika im journalistischen Bereich sind meistens nicht oder nur sehr gering vergütet. Und an einer journalistischen Laufbahn interessierten Menschen wird ständig suggeriert, dass sie nie genug Praktika machen können. Ich kenne ambitionierte Leute, die wirklich unendlich viele Praktika gemacht haben aus der Angst heraus, später den Ansprüchen eines Arbeitgebers nicht zu genügen. Keine Frage, die Plätze für ein Volontariat (eine eineinhalb- bis zweijährige journalistische Ausbildung nach dem Studium) sind hart umkämpft. Und deshalb machen angehende Journalist/innen extrem viel, um in das Raster zu passen, das die Redaktionen vorzugeben scheinen. Das endet so, dass ich beispielsweise von Arbeitskolleg/innen, die auch noch studierten, erst nach meinen Praktika gefragt wurde, ehe sie meinen Namen wissen wollten. Die Standardfrage: "Na, wo hast du schon überall Praktikum gemacht?" Und wehe, wenn nicht das ARD-Auslandsstudio in Washington dabei ist! Dann bist du ja nur Durchschnitt. Es ist ein Praktikums-Marathon, in dem viele einfach mitlaufen. Aus Angst, nicht aus Freude.

Ich will mich aber nicht durch meine Praktika identifizieren. Klar, haben sie mir etwas gebracht. Klar, habe ich Dinge durch sie gelernt, Einblicke bekommen, neue Sichtweisen. Doch immer mehr hatte ich das Gefühl, Punkte im Lebenslauf einfach abzuhaken, in eine Schablone gepresst zu werden, eine Checkliste vorgehalten zu bekommen: Praktikum hier, freie Mitarbeit da, ach, du hast noch keine Auslandserfahrung? Da muss auch noch ein Auslandspraktikum her! Dann, ja dann könnte es was werden, mit dem Traum vom Journalismus. Vielleicht.

Die Kraft der Worte

Spaß am Artikelschreiben hatte ich lange bevor ich wusste, wie schwer es ist, damit beruflich Fuß zu fassen. Im Alter von zwölf Jahren schrieb ich für die regionale Tageszeitung "Die Rheinpfalz" meinen ersten Artikel. Von da an war ich freie Mitarbeiterin dort und verdiente mir so mein Taschengeld. Erst einige Jahre später dachte ich darüber nach, so etwas auch mal beruflich zu machen.

Was mich damals wie heute begeistert, ist das Geschichtenerzählen. Die Kraft der Worte. Ich will Menschen eine Stimme geben. Ich will frei sein, unabhängig. Ich will Stimmungen einfangen, immerzu Neues lernen und entdecken, Menschen und ihre Sicht auf die Welt kennenlernen. Ich will Dinge genau beleuchten, Gegebenheiten hinterfragen. Ich will auf meine Art nicht mehr und nicht weniger als die Welt verändern.

Als meine Hospitanz bei Report Mainz abgesagt wurde, weil der unwahrscheinliche Fall eingetreten war, dass mein Platz dort für einen Volontär benötigt wurde, war das für mich der Anstoß zu sagen: Nein, Schluss mit dem Praktikums-Marathon. Ich sammele meine eigenen praktischen Erfahrungen.

Ständige Veränderung

So kam die Idee zu dem Blog hier. Das Thema Freiheit ist der rote Faden, der die Texte miteinander verbindet. Zuerst wollte ich das Projekt auf den Oktober 2014 beschränken; der Zeitraum, in dem auch mein Praktikum gewesen wäre, und eine Deutschlandtour machen. Da sich die Termine aber nur schwer auf einen einzigen Monat festlegen ließen und ich so viel Gefallen am Bloggen gefunden hatte, beschloss ich, das Projekt auszuweiten - ohne zeitliche Grenze.

Bisher stammen die Blogeinträge aus einem recht akademischen Hintergrund: Die Universität des 3. Lebensalters, der Soziologie-Professor, der über das Bedingungslose Grundeinkommen spricht, gestern war ich am Institut für Freiheitsforschung. Das liegt aber nicht daran, dass mein Freiheitsbegriff so eng gefasst ist und ich eine solch theoretisierte Sichtweise habe, sondern schlicht an der zeitlichen Abfolge der Interviewtermine. Die Bahn hatte mir mit dem Streik am vergangenen Wochenende einen Strich durch die Rechnung gemacht, ein Termin musste verschoben werden - ebenso wie manch anderer dann doch nicht im Oktober, sondern erst später stattfindet. Ich will ein breites Spektrum abdecken, wie in meinem ersten Text hier angesprochen. Dazu braucht es aber ein wenig Zeit.

Guter Journalismus braucht Zeit in meinen Augen. Ich bitte euch deshalb um ein wenig Geduld, mit der Zeit werden immer mehr Aspekte zum Thema Freiheit abgedeckt.
Mir ist außerdem klar, dass meine Texte hier sehr lang sind und es eigentlich heißt, Online-Journalismus müsse kurz und knackig sein, weil der Leser auf seinem Smartphone oder Tablet wild herumscrolle und von der einen Page zur nächsten springt. Außerdem brauche es Bilder, die ins Auge fallen, damit der Leser richtig angeregt ist, den Artikel weiter zu verfolgen.
Ich finde das nicht! Ein Freund hat mir dankenswerteweise diesen Blog eingerichtet und ich mochte von Anfang an das schlichte Design. Ich will es hier puristisch halten, ein Ruhepol bieten zum entspannten Lesen abseits des ganzen Bling-Bling im Netz. Denn ich glaube daran, dass es Zeit, Bedarf und Platz für journalistische Qualität gibt.

Das hier ist ein Versuch, manche Dinge werde ich sicher noch verändern - und auch das ist ja das Schöne im Netz: Es ist immer in Bewegung, Veränderungen gehören dazu.

Falls ihr auch noch Anregungen habt oder mir ein konstruktives Feedback geben wollt, schreibt mir gerne unter: louisa.mosemann(at)yahoo.de

Und nun auf zu neuen Geschichten!